EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE ALTLANDSBERG
 

 

Wegendorf

 

 

Die Ortskirchengemeinde Wegendorf hat etwa 120 Gemeindeglieder. Gottesdienst feiern wir monatlich, sonntags um 14:00 Uhr in der Wegendorfer Kirche. Im benachbarten Küsterhaus "Mittendrin" treffen sich in regelmäßigen Abständen die Mitglieder des Fördervereins der Dorfkirche, die Senioren und der Jugendklub des Ortes. Jeden dritten Sonntag im Monat findet das Küstercafé statt. Bei Kaffee und Kuchen ist neben einem guten Gespräch auch das Ausleihen von Büchern in der "Bücherkiste", einer Bibliothek auf Büchertauschbasis, möglich.

Der 2009 gegründete Förderverein Dorfkirche Wegendorf e.V. hat in vertrauensvoller Zusammen-arbeit mit der Kirchengemeinde das Gotteshaus vor der Schließung auf Grund akuter Baufälligkeit bewahrt. Mit beispiellosem Engagement hat er neben der Initiierung der Sanierung der Dachstühle von Schiff, Chor und Apsis (2014), der Instandsetzung der ca. 150 Jahre alten Turmuhr und dem Erwerb einer Orgel (2016) eine Wiederbelebung der Ortsmitte unter Einbeziehung der Kirche und des Küsterhauses als kulturellem und sozialem Träger erwirkt. Weitere Informationen zum Förderverein finden Sie unter www.dorfkirche-wegendorf.de.

 

Die Dorfkirche Wegendorf

© Torsten Ruske

Die aus der Mitte des 13. Jahrhundert stammende Wegendorfer Kirche befindet sich auf einem kleinen Hügel in geschützter Lage. Die ursprüngliche Bauweise ähnelt der Kirche in Seeberg. Einem rechteckigen Schiff schließt sich ein etwas schmalerer Chorraum an, der von einer halbrunden Apsis abgeschlossen wird. Die Apsis verfügt über zwei schmale rundbogige Fenster. In spätgotischer Zeit (2. Hälfte des 15. Jhd.) wurde der Chorraum eingewölbt. Der Sakristeianbau an der Nordseite des Chores  ist im 14. oder 15. Jhd. entstanden. Ursprünglich besaß die Kirche einen hölzernen Dachreiter an der Westseite. Der Dachreiter wurde 1861 entfernt und ein Turm aus gelbem Backstein errichtet. Damit erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen.

Eine Besonderheit im Innern des Chores bilden die vier Konsolen der Gewölberippen, welche Gesichtsmasken darstellen. Der "Sage" nach sind dies Köpfe von Hussiten, die als Strafe für ihre Plünderungen im 15. Jahrhundert für ewige Zeiten das Gewölbe tragen müssen. Der Altar der Kirche ist eine sehr schöne Arbeit aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es finden sich Darstellungen von Abendmahl, von Kreuzigung und Auferstehung Christi. Der Altar und die darüberliegende Decke der Apsis wurden zur Jahrtausendwende restauriert. Der Altarblock entstammt noch dem Mittelalter. Die Taufschale aus Zinn und die Kanzel stammen aus dem 19. Jahrhundert. Das Epitaph im Chorraum wurde für den dort bestatteten Pfarrer Martini errichtet. Er war 1721-bis 1750 Pfarrer zu Altlandsberg und Buchholz, seit 1732 auch von Wegendorf. Im Turm befinden sich zwei mittelalterliche Glocken.

© Enrico Konkel 

Anmerkungen zu den Altarnischen

Die nicht mehr identifizierbaren Statuen in den Altarnischen gingen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren. Auf Bitten der damaligen Kirchengemeinde Wegendorf (jetzt fusioniert mit der Kirchengemeinde Altlandsberg) beschloss der Gemeindekirchenrat 2005 die Nischen folgendermaßen auszustatten:

Die Figuren wurden von Hand aus Lindenholz geschnitzt und sind für eine dauerhafte Ausstellung oberflächenbehandelt. Der Auftrag wurde ausgeführt durch Marcin Kowal aus Jelenia Gorà (Hirschberg) im heutigen Polen. Marcin Kowal ist Absolvent der Szkola Rzemiosl Artystycznych (Kunst-handwerkschule) in Cieplice (Bad Warmbrunn). Er arbeitet als selbständiger Holzschnitzer und Kunst- tischler.

 

© Enrico Konkel │ Ausschnitt aus dem Altarretabel

Anmerkungen zu den Glocken

Die Inschrift der kleineren Glocke (15./16. Jahrhundert, 66 cm Durchmesser) - "o rex glorie veni cum pace" - kann übersetzt werden mit: "O König der Herrlichkeit komme in Frieden" und wurde vielfach auf den Glocken des 15./16. Jahrhunderts verwendet, so u.a. auch auf den Glocken der Kirchen in Heinersdorf (1513), Hohenschönhausen (1471), Klosterdorf (1472), Trampe (1511) und Wollenberg (1488). Die Glocke musste 2009 auf Grund einer Rissbildung außer Betrieb genommen werden und wurde noch im selben Jahr der Instandsetzung durch das Glockenschweißwerk "Hans Lachenmeyer" in Nördlingen zugeführt. Zu den Referenzen dieser Glockenschweißerei zählen so prominente Glocken wie die des Kölner Domes (St. Peter, 25t), Straßburger Münsters (2,1t), Erfurter Domes (Gloriosa - 11,4t), Freiburger Münsters (Angelus-Glocke - 3,3t), Brandenburger Domes (3,41t) und des Berliner Domes (1,8t). Seit 2010 versieht sie nach erfolgter Instandsetzung wieder ihren Dienst im Westturm der Wegendorfer Kirche.

Von den ursprünglich drei Glocken der Kirche verlor sich die Spur des jüngsten Geläutes (Gussjahr 1898 - Gießer Emil Voß - 0,2t - 69,5 cm Durchmesser) im Jahr 1917 im Ersten Weltkrieg durch die Bronzeglockenbeschlagnahmung zur Waffenherstellung.

© Enrico Konkel

Neue Töne

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr existierende Orgel wurde 2016 auf Initiative und durch eine Spendenfinanzierung des Fördervereins der Dorfkirche Wegendorf e.V. durch ein Instrument (Baujahr 1960│Pauluskirche Magdeburg) der renommierten Orgelbaufirma Jehmlich (u.a Orgelneubauten für das Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt und die Nikolaikirche Berlin) ersetzt und berührt seitdem mit ihren Klängen Gottesdienst- und Konzertbesucher ebenso wie die Organisten zum Lobe Gottes.

© Enrico Konkel │ Torsten Ruske